Die 5 wichtigsten Gebäudezertifizierungen für Nachhaltigkeit

11.08.2025 08:44 - Von Florian

Blogartikel

Erfahre mehr über die fünf wichtigsten und anerkanntesten Zertifizierungssysteme für die Bewertung der Nachhaltigkeit und Klimaresilienz von Immobilien und Freiräumen.

Als einer der Hauptverursacher des Klimawandels trägt die Immobilienbranche maßgeblich zur Erderwärmung bei. Nachhaltigkeit und Klimaresilienz sind daher heutzutage essentielle Aspekte bei der Planung und Errichtung von Gebäuden. Sie tragen nicht nur zum Schutz der Umwelt bei, sondern auch zur langfristigen Werterhaltung von Immobilien, sei es in Form von direkter Wertsteigerung oder Vermeidung von Abschreibungsverlusten. 

Um die Nachhaltigkeit und Klimaresilienz von Gebäuden zu bewerten und zu bestätigen, gibt es verschiedene Nachhaltigkeitszertifizierungen, die klassischerweise auf einem Bewertungssystem mit Indikatoren basieren.

In diesem Blogartikel werden die fünf wichtigsten und am Markt anerkanntesten Green Building Zertifizierungen für Nachhaltigkeit und Klimaresilienz von Immobilien vorgestellt und miteinander verglichen.

​Durchblick im Dschungel

Zertifizierungssysteme sind Rahmenwerke und erlauben eine transparente Bewertung sowie die Erfüllung von Qualitätskriterien und Standards hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Gebäuden. Am Markt gibt es eine Vielzahl an Zertifizierungslösungen, die inhaltlich und systematisch oft schwer von einander zu unterscheiden und zu vergleichen sind. 

Grundsätzlich basieren Zertifizierungen für Immobilien auf der Durchführung von geprüften Auditoren. Häufig sind diese in der Anwendung auf einen lokalen bzw. nationalen Bereich beschränkt. Es gibt nur ein paar wenige international anwendbare und anerkannte Systeme. 

Grundsätzlich lassen sich folgende Bewertungssysteme und Ansätze unterscheiden:

Zertifizierung

Bestätigung der Bewertung durch Auditor, z.B. LEED, BREEAM, DGNB/ÖGNI, greenpass, ...

Deklaration

Bestätigung der Bewertung durch Selbstdeklaration, z.B. klimaaktiv, ...

Neben der Art der Bewertungsbestätigung unterscheidet man bei Zertifizierungen und Nachhaltigkeitsbewertungen für Immobilien inhaltlich grundsätzlich zwischen folgenden zwei Typen:

Gebäudezertifizierung

Fokus auf das Gebäude und den Innenraum (Green Building), z.B. LEED, BREEAM, DGNB/ÖGNI, klimaaktiv, ...

Klimaresilienzzertifizierung

Fokus auf Gebäude und Außenraum hinsichtlich Klimawandelanpassung und Klimaresilienz (Climate Resilience), z.B. greenpass, ...

Gebäudezertifizierungen berücksichtigen in den letzten Jahren auch immer stärker die Themen der Klimawandelanpassung und Klimarisiko, nicht zuletzt aufgrund der EU-Taxonomie Vorgaben und Kriterien sowie auch der technologischen Möglichkeiten als auch Relevanz und Nachfrage am Markt. Die Qualitäten und Wirkungen der Nachweise unterscheiden sich hier zum Teil stark und reichen von generisch, konzeptionellen Bewertungen bis hin zu detailliert, räumlichen Bewertungen und Nachweisen. 

Klimaresilienzzertifizierungen bieten hier eine erweiterte, fokussierte und vor Allem wirkungsbezogene Betrachtung für die Themenbereiche der Anpassung an den Klimawandel und dessen Teilbereiche wie Klima, Wasser, Luft, Biodiversität uvm. Sie erlauben die zunehmenden Klimarisiken und dessen spürbare physischen und ökonomischen Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Immobilie für heutige und zukünftige Klimabedingungen zu reduzieren.

Folgend findest du die wichtigsten und am Markt anerkanntesten Zertifizierungssysteme für Nachhaltigkeit und Klimaresilienz von Immobilien und Freiräumen:

​A) LEED

LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) ist ein Zertifizierungssystem aus den USA und gilt als eines der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Systeme weltweit. Es wurde von der US Green Building Council (USGBC) entwickelt und bewertet die Nachhaltigkeit von Gebäuden in den Bereichen Energieeffizienz, Wasserverbrauch, Materialien und Ressourcen, Innenraumqualität und Standortwahl. Die Bewertung erfolgt auf einem Punktesystem und die Zertifikatsklassen sind Platinum, Gold, Silber und Certified.

Folgende sechs Kategorien werden bei LEED unterschieden:

  • Nachhaltiger Grund und Boden

  • Wassereffizienz

  • Energie und Atmosphäre

  • Materialien und Ressourcen

  • Innenraumqualität

  • Innovation und Designprozess

​B) BREEAM 

BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) ist ein Zertifizierungssystem aus Großbritannien und wurde vom Building Research Establishment (BRE) entwickelt. Es ist in über 70 Ländern anerkannt und bewertet die Nachhaltigkeit von Gebäuden in den Bereichen Energie, Wasser, Materialien, Abfall, Gesundheit und Wohlbefinden, Landnutzung und Ökologie sowie Management. Die Bewertung erfolgt ebenfalls auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent und die Zertifikatsklassen sind Outstanding, Excellent, Very Good, Good und Pass.

Bei BREEAM werden folgende zehn Kategorien unterschieden:

  • Management

  • Gesundheit und Wohlbefinden

  • Energie

  • Transport

  • Wasser

  • Materialien

  • Abfall

  • Landnutzung und Ökologie

  • Umwelt

  • Innovation

​C) DGNB

Die DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) ist ein Zertifizierungssystem aus Deutschland und wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen entwickelt. Es bewertet die Nachhaltigkeit von Gebäuden in den Bereichen Ökologie, Ökonomie, Soziokulturelles und Funktion. Die Bewertung erfolgt auf einem Erfüllungsgrad von 0 bis 100 Prozent und die Zertifikatsklassen sind Platin, Gold, Silber und Bronze.

Wie einige andere Systeme, bietet dieses verschiedene Zertifizierungsvarianten in Bezug auf die Assetklasse bzw. Nutzung, z.B. für Neubau und Bestand uvm. Darunter gibt es unter Anderem auch eine quartiersbezogene Zertifizierung, bei der die Themen der Klimawandelanpassung vertiefend betrachtet wird.

Die Bewertung bei DGNB erfolgt anhand von sechs Hauptkriterien:

  • Ökologie

  • Ökonomie

  • Soziokulturelle und funktionale Aspekte

  • Technik

  • Prozesse

  • Standort

​ D) ÖGNI

Die ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienentwicklung) ist eine NGO, die sich für die Etablierung von Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienbranche in Österreich einsetzt. Sie zertifiziert nach dem DGNB-System und bewertet die Nachhaltigkeit von Gebäuden und Quartieren. Die Bewertung bei der ÖGNI erfolgt wie bei DGNB ebenfalls auf einem Erfüllungsgrad von 0 bis 100 Prozent und die Zertifikatsklassen sind Platin, Gold, Silber und Bronze.

​E) klimaaktiv 

Klimaaktiv ist ein Bewertungssystem und Deklarationstool aus Österreich und wird vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie unterstützt. Es bewertet die Nachhaltigkeit von Gebäuden in den Bereichen Klimawandelanpassung und Standort, Energie und Versorgung, Ressourcen und Kreislaufwirtschaft sowie Komfort und Gesundheit.

Im Gegensatz zu den anderen genannten Zertifizierungen, erfolgt hier per se keine externe Bewertung durch Auditoren, sondern die Eigentümer oder externe Berater können selbst ihre Angaben machen. Mit dem Gebäudestandard 2025 können beim klimaaktiv System bis zu 1.000 Punkte erreicht werden.

Bei klimaaktiv wird in folgende vier verschiedene Kategorien unterschieden:

  • A. Klimawandelanpassung und Standort

  • B. Energie und Versorgung

  • C. Ressourcen und Kreislaufwirtschaft

  • D. Komfort und Gesundheit

​F) greenpass 

greenpass ist der grüne Pass für Immobilien und Freiräume und der international anwendbare Zertifizierungsstandard für Klimaresilienz und Klimawandelanpassung. Greenpass wurde in mehr als 10 Jahren wissenschaftlicher Forschung in Zusammenarbeit mit internationalen Universitäten und Fachexperten entwickelt und weltweit bereits bei über 250 Projekten in mehr als 10 Ländern angewendet. 

Das System basiert auf einem dreidimensionalen digitalen Zwilling aus dem greenpass Editor und hochauflösenden Expertensimulationen gekoppelt mit numerischen Indikatoren und qualitativen Bonusindikatoren

Die greenpass Zertifizierung bewertet die Klimawandelanpassung und Klimaresilienz von Gebäuden und Freiräumen und wird von ausgebildeten und zertifizierten Urban Climate Architects (UCA) durchgeführt. 

Das wissenschaftlich basierte System kann dabei auch zur Qualitätssicherung sowie Erreichen von Zielwertvorgaben verwendet werden. Die Zertifizierung kann auch für alleinstehende Freiräume, wie Plätze oder auch Straßen angewendet werden. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent und die Zertifikatsklassen sind Platin, Gold, Silber und Zertifiziert. 

Bei der greenpass Zertifizierung werden folgende sechs Themenfelder und vier Bonuskategorien mit mehr als 50 Indikatoren bewertet:

  • Klima (Mikroklima)

  • Wasser (Regenwassermanagement)

  • Luft (CO und Wind)

  • Biodiversität

  • Energie

  • Kosten (grüne und blaue Infrastruktur)

  • Ökologie

  • Ressourcen

  • Soziales

  • Mobilität

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​Unterschiede und Synergien

Die genannten Zertifizierungssysteme haben alle das Ziel, die Nachhaltigkeit von Gebäuden zu bewerten und zu verbessern. Sie unterscheiden sich jedoch in der Anwendung, Tiefe und Qualität der Nachweisführung sowie in der inhaltlichen und thematischen Schwerpunktsetzung.

Während Gebäudezertifizierungen primär auf das Gebäude und das Gebäudeinnere fokussieren, liegt der Fokus bei Klimaresilienzzertifizierungen vor Allem auf dem Außenraum und eine erfolgreiche Klimawandelanpassung. 

Im Gegensatz zu den anderen Zertifizierungen, ist die greenpass Zertifizierung nicht nur ein Rahmenwerk für die Bewertung, sondern zu gleich Bewertungssystem, Nachweis und Planungstool in Einem. 

Ein dreidimensionaler digitalen Zwilling gekoppelt mit einem numerischen Bewertungssystem erlaubt eine realistische Simulation und Abbildung des komplexen Wirkungsgefüge für eine wissenschaftlich valide, faktenbasierte und objektive Bewertung der Nachhaltigkeit und Klimaresilienz von Immobilien und Freiräumen.

Für eine ganzheitliche und investitionssichere Immobilie empfiehlt es sich, sowohl eine Gebäude- als auch eine Klimaresilienzzertifizierung durchzuführen, um alle Aspekte der Nachhaltigkeit inklusive Klimawandelanpassung und Resilienz adäquat abzudecken und die Synergien wirkungsvoll und effektiv zu nutzen. 

​Conclusio

Die genannten Systeme sind dabei die wichtigsten und am Markt bzw. von Fachexperten anerkanntesten Lösungen für die Bewertung und transparente Zertifizierung von Nachhaltigkeit und Klimaresilienz auf nationaler und internationaler Ebene. 

Gebäudezertifizierungen legen wie der Name schon sagt, den Fokus auf Gebäude. Während Klimaresilienzzertifizierungen den Fokus auf die Klimawandelanpassung und Resilienz des Gebäudes und den Außenraum legen. Die eine Zertifizierung ersetzt die andere nicht. Auch wenn die Themenbereiche und Begriffe oft ähnlich klingen, gibt es vielfältige Unterschiede in der Tiefe, Wirkung und Leistung sowie der Qualität der Bewertung.

Bei vielen gemeinsamen Projekten über die verschiedensten Anlageklassen von Immobilien hat sich gezeigt, dass sich Gebäudezertifizierungen und die greenpass Zertifizierung hervorragend ergänzen und synergetisch mit Mehrwert genutzt werden können. 

In unserem Blog unter Referenzen findest du einige Vorzeige- und Best-Practice Beispiele für Nachhaltiges Bauen mit greenpass Zertifikat sowie auch in Kombination mit anderen Zertifizierungssystemen.

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Inhalt
Durchblick im Dschungel
A) LEED
B) BREEAM
C) DGNB
D) ÖGNI
E) klimaaktiv
F) greenpass
Unterschiede und Synergien
Conclusio
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Florian

Florian

Co-Founder & CEO greenpass
https://www.linkedin.com/in/florian-kraus/

Ich bin internationaler Experte mit jahrelanger Erfahrung in der Bewertung und Gestaltung von klimasicheren und nachhaltigen Immobilien und Freiräumen. Nach meinem Masterstudium für Landschaftsplanung & -architektur war ich an der BOKU als Forscher und der Green4Cities als Manager tätig.